Archiv der Kategorie: Politik

kurz notiert…

US-Bürger glauben, dass Bush sie belügt

Welt Online berichtet heute über eine Studie des Fachmagazins Foreign Affairs, nach der von 1013 befragten US-Bürgern im Februar dieses Jahres 84% „über die derzeitige Lage der USA in der Welt besorgt seien.“ 82% glauben gar, dass die Welt für die USA und ihre Bürger immer gefährlicher werde. 68% gehen schließlich davon aus, „dass das Ausland eine negative Meinung von den USA habe.“ Wirklich interessant:

Mit dem Gefühl der Bedrohung geht ein tiefes Misstrauen in die Außenpolitik der eigenen Regierung einher: 59 Prozent gehen nach eigenen [sic!] Bekunden davon aus, dass die Regierung von US-Präsident George W. Bush sie in außenpolitischen Fragen belüge.“

Hab ich also doch noch eine politische Gemeinsamkeit gefunden.  

Bei tiefergehendem Interesse: Die Studie mit dem Titel „Confidence in U.S. Foreign Policy Index“ findet sich hier.  

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Der Supreme Court und der Umweltschutz

Massachusetts v. Environmental Protection Agency

Der Supreme Court – das oberste rechtsprechende Staatsorgan der Vereinigten Staaten – hat seine Meinung kundgetan. „Umwelturteil gegen Bush. Das Ende der Klimafarce“ titelt Marc Pitzke in seinem Artikel auf SPON und scheint mir dabei doch ein wenig über das Ziel hinauszuschießen Doch worum geht es eigentlich genau? Was genau wurde entschieden? ´

Zuerst: Das „Umwelturteil“ ist keines. Der Supreme Court hatte sich in No. 05-1120  MASSACHUSETTS ET AL. v. ENVIRONMENTAL PROTECTION AGENCY ET AL.   lediglich mit einer zugegebenermaßen nicht unwichtigen Zuständigkeitsfrage auseinanderzusetzen. Diese wurde teilweise zu Ungunsten der Bush-Regierung und der von ihr stark beeinflussten EPA entschieden. Wie Pitzke letztlich ebenfalls feststellt, muss das Urteil allein jedoch nicht zwingend zu konkreten Umweltschutzregelungen seitens der US-Regierung führen:  

„Wie (und ob) die Bush-Regierung diese Abfuhr jetzt in konkrete Politik umsetzt, ist noch völlig offen.“

Im Kern ging es in dem Prozess um Folgendes: Am 20. Oktober 1999 reichten 19 NGOs, unter ihnen Greenpeace USA, einen Antrag bei der EPA ein, fordernd, dass diese einen Grenzwert für die erlaubte Menge von Treibhausgasemissionen durch neue Kraftfahrzeuge festlege (asking EPA to regulate „greenhouse gas emissions from new motor vehicles under §202 of the Clean Air Act„). Am 8. September 2003 (!!!) wurde der Antrag mit fadenscheiniger Begründung abgelehnt:

„The agency gave two reasons for its decision: (1) that contrary to the opinions of its former general counsels, the Clean Air Act does not authorize EPA to issue mandatory regulations to address global climate change, see id., at 52925–52929; and (2) that even if the agency had the authority to set greenhouse gas emission standards, it would be unwise to do so at this time, id., at 52929–52931.“

„Contrary to the opinion“? Richtig gelesen. Einige Zeit vorher war die EPA nämlich noch selbst der Meinung, sie habe die gesetztliche Befugnis die CO2 Emissionen zu regulieren. Sowohl General Counsel Jonathan Z. Cannon (1995-1998) als auch sein Nachfolger Gary S. Guzy (1998-2001?) bestätigten dies, Letzterer sogar noch zwei Wochen vor dem Antrag der NGOs. 2003 war dann auf einmal alles ganz anders: Die Bush Regierung war im Amt ([the EPA] is led by its Administrator, who is appointed by the President of the United States) und wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse anscheinend nicht mehr von Interesse. Die EPA sah keinen Handlungsbedarf keine Handlungsmöglichkeit und wies den Antrag ab. Die Antragsteller, nicht gewillt dies hinzunehmen, kämpften weiter und man landete vor dem Supreme Court, wo die EPA erneut ihre Zuständigkeit bestritt, und das angesichts § 202 (a) (1) des Clean Air Acts, welcher klar und deutlich feststellt,  

that EPA „shall by regulation prescribe . . . standards applicable to the emission of any air pollutant from any class or classes of new motor vehicles or new motor vehicle engines, which in [the Administrator’s] judgment cause, or contribute to, air pollution which may reasonably be anticipated to endanger public health or welfare.“

Man müsste sich also drum kümmern. Aber halt! Air pollutant? Hmm… da gäbe es noch eine Lösung:

„EPA concluded in its denial of the petition for rulemaking that it lacked authority under 42 U. S. C. §7521(a)(1) to regulate new vehicle emissions because carbon dioxide is not an „air pollutant“ as that term is defined in §7602.“

So einfach ist das. Wenn Kohlendioxyd kein „air pollutant“ ist, muss man sich auch nicht drum kümmern. Blöderweise (und es bedurfte des Supreme Courts um dieses festzustellen) wird „air pollutant“ in §7602(g) folgendermaßen definiert:

any air pollution agent or combination of such agents, including any physical, chemical . . . substance or matter which is emitted into or otherwise enters the ambient air . . . .“

So. Der Supreme Court hat der EPA das Lesen beigebracht, die Zuständigkeit ist geklärt, die EPA muss sich nun mit dem Antrag auseinandersetzen. Sind wir damit glücklich? Kommt es jetzt zu den lang ersehnten gesetzlichen Regulierungen der CO2 Emissionen durch neue Kraftfahrzeuge? Jetzt? 

„EPA no doubt has significant latitude as to the manner, timing, content, and coordination of its regulations with those of other agencies“ (Supreme Court Slip Opinion, p.  30)

We need not and do not reach the question whether on remand EPA must make an endangerment finding, […] We hold only that EPA must ground its reasons for action or inaction in the statute.“ (p. 32) 

Die EPA scheint somit zwar dazu verpflichtet zu sein, die Treibhausgasemissionen zu regulieren, dies ist allerdings wiederum nur der Fall „in the event that it forms a „judgment“ that such emissions contribute to climate change“. Verwirrt? Das die EPA Kohlendioxyd als „air pollutant“ auch im Sinne des Gesetzes einstufen muss, heißt ja noch lange nicht, dass CO2 nach Einstufung der EPA auch zur Klimaveränderung beiträgt. Und Handlungsbedarf bestünde nach dem Gesetz ja anscheinend nur wenn CO2

in [the Administrator’s] judgment cause[s], or contribute[s] to, air pollution which may reasonably be anticipated to endanger public health or welfare.“

Ich bin kein Jurist, aber im Auge des Laien hört sich das nicht nach umwälzenden Veränderungen an. Und Patrick Kennedy, Autor des Blue Climate Blog, scheint hinsichtlich der Handlungsfreude der EPA ebenfalls eher skeptisch zu sein:

„Or – will EPA stall congress, say they are still studying the court ruling, say they have not reached a decision yet and decline to commit to when they will reach a decision?“

Lassen wir uns überraschen.

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Museum Plagiarius – Was steckt hinter der „Piraterie zum Anfassen“?

Wer hat es nicht schon einmal getan: Auf der Pauschalreise das äußerst günstige Nike Shirt, die extrem billigen adidas Sneaker oder die ebenfalls unschlagbar tief unter dem deutschen Ladenpreis angebotene PRADA Tasche erworben. Bei den Preisen, da kann man doch nicht widerstehen!

„Kann man nicht nur, muss mann“ würde Rido Busse sagen, Geschäftsführer und Inhaber der busse design ulm gmbh. Denn hinter radikalen Preisnachlässen stecken nicht selten Produkt – Plagiate bzw. Fälschungen. Während Erstere sich in Design und Funktion deutlich am Original orientieren und damit trotz der Verwendung eines geringfügig geänderten Markennamens eingetragene Schutzrechte der rechtmäßigen Hersteller verletzen, nutzen Fälschungen (illegal) mindestens Verpackung und Namen des Markenherstellers; sklavische Fälschungen reichen gar in der Qualität der Inhaltsstoffe oder der verarbeiteten Materialien, schließlich in der Qualität der Verarbeitung selbst, an das Original heran. Busse durfte dies bereits 1977 schmerzhaft am eigenen Leib erfahren:

“ 1977 entdeckte Rido Busse auf der Frühjahrsmesse in Frankfurt auf dem Stand eines Herstellers aus Hong Kong ein offensichtlich exaktes Plagiat der Brief- und Diätwaage Nr. 8600 der Firma Soehnle-Waagen aus Murrhardt. Das Original war von der busse design ulm gmbh komplett entwickelt und 1965 von Soehnle auf den Markt gebracht worden. Verkaufspreis im Laden: DM 26,00. Der chinesische Hersteller aus Hong Kong bot das Plagiat im Dutzend billiger an: Sechs Stück für DM 24,00, d.h. Ladenpreis unter DM 10,00.“

In Reaktion auf diesen Vorfall und aufgrund der Schwierigkeiten, welche ein juristisches Vorgehen gegen die Plagiatoren mit sich brachte, rief Busse noch im selben Jahr den Plagiarius ins Leben, eine Negativauszeichnung in Gestalt eines „handelsüblichen Gartenzwerges Nr. 917 der Firma Heissner, den er schwarz lackierte und mit einer goldenen Nase versah“. Seitdem jährlich verliehen, weist die „Auszeichnung“ darauf hin, wer sich mit besonders dreistem Ideenklau eben “ eine goldene Nase verdient“ – immer mit dem Ziel vor Augen die Öffentlichkeit  „bzgl. des Problems der Produkt- und Markenpiraterie“ aufzuklären und zu sensibilisieren.

In der „Klingenstadt“ Solingen steht dafür seit Neuestem das Museum Plagiarius zur Verfügung. Getragen von der Stadt Solingen und dem Industrieverband Schneid- und Haushaltswaren, findet sich in der Güterabfertigung des ehemaligen Hauptbahnhofs seit dem 1. April 2007 die von der Aktion Plagiarius e.V. – dem Trägerverein der „Auszeichnung“ – seit ihrem Bestehen zusammengetragene, weltweit einzigartige Sammlung von mehr als 250 Originalen und Plagiaten. Gezeigt werden u. a. Haushaltsartikel, Leuchten, Möbel und Kinderspielzeug aber auch technisch komplexe mechanische und elektronische Geräte und Maschinen – immer im direkten Vergleich Plagiat – Original. Damit wird deutlich: Nicht nur Luxusartikel, sondern Produkte aller Branchen sind mittlerweile vom Problem der Produkt- und Markenpiraterie betroffen.

Muss uns das interessieren? Das Markenshirt für 3,50 Euro wird ja schon eine Weile halten, die „PRADA Tasche“ zumindest solange, dass jeder sieht: „Ich habe eine!“. Bei weniger genauem Hinsehen ist der Nachbar auch von meinem Game boy Plagiat beeindruckt – und ich habe bares Geld gespart. Ist ja eh knapp – Geiz ist geil.

Mag diese Argumentation aus der Sicht eines jeden Einzelnen erst einmal durchaus fassen, sie greift zu kurz: Spätestens bei der Kettensäge namens Swool aber à la Stihl , aber auch bei gefälschten Reifen oder Bremsscheiben, vom Original auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden, kann es gefährlich werden: „Minderwertige Produktqualität und nicht erfüllte Sicherheitsstandards können […] Gesundheit und […] Leben der Konsumenten gefährden.“ Und selbst wenn der einzelne Konsument nicht leidet: Die negativen (volks-)wirtschaftlichen Auswirkungen sind immens: Christa Toben, Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen bezifferte in ihrer Rede, gehalten anlässlich der Eröffnung des Museums Plagiarius, die Zahl der allein in Deutschland durch Fälschung jährlich vernichteten Arbeitsplätze auf „rund 50.000“; nach Schätzungen der OECD haben Plagiate einen Anteil von 5 bis 9 Prozent am Welthandel. Produkt- und Markenpiraterie  stellt sich damit – insbesondere für die höher entwickelten Volkswirtschaften – mittlerweile als eine ernste wirtschaftliche Bedrohung dar. Das einzelne Unternehmen leidet ebenfalls:

„Für die betroffenen Unternehmen bedeutet die Produktpiraterie nicht nur die Entwertung ihrer kostenintensiven Entwicklungsarbeit und den Verlust von Marktanteilen, sondern auch die Entwertung des Originals. Und was mitunter schlimmer wiegt, die Gefährdung des guten Firmennamens.“

Und auch langfristige Folgen sind zu erwarten: Die Innovationstätigkeit des einzelnen Unternehmens wird gebremst, neue Entwicklungen sind nicht mehr lohnenswert bzw. finanzierbar und bleiben somit aus.

Das Problem ist dabei jedoch nicht selten „hausgemacht“: Denn auch wenn der weit überwiegende Teil der Produzenten von Plagiaten und Fälschungen nach Informationen des Bundesministeriums der Finanzen in China ansässig ist, sitzen die Auftraggeber vielfach hier in Europa, ganz zu schweigen von den Konsumenten, welche letztlich darüber entscheiden, ob die Plagiate eine Chance haben oder nicht. 

Handeln muss also die Gesetzgebung, handeln kann aber auch jeder einzelne: Ein Besuch des Museums Plagiarius kann dabei ein Anfang sein.  

Siehe dazu ebenfalls: Mehr Drogen, mehr Plagiate, mehr Schwarzarbeit auf SpiegelOnline

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Malzahn und die „deutsche Grundverlogenheit“: Antiamerikanismus in Deutschland

Wer hat’s erfunden? In dem Fall Claus Christian Malzahn, welcher den Deutschen, insbesondere der jungen Generation der 18 bis 29-Jährigen, in seinem in einem sarkastischen Grundton gehaltenen Spiegel Online Kommentar Böse Amis, Arme Mullahs eine ebenso „deutsche Grundverlogenheit“ attestiert. Malzahn beschäftigt sich in seinem Kommentar mit einer vom Stern in Auftrag gegebenen FORSA Umfrage, dessen Ergebnisse besagtes Magazin in einem Artikel vom 27. März diesen Jahres vorstellt. Aus den dort veröffentlichten Ergebnissen geht zweifelsfrei hervor, dass „Amerika einen miserablen Stand in Deutschland“ hat: 48 % der Bundesbürger und 57 % der 18 bis 29-Jährigen „glauben, dass von den USA eine größere Bedrohung für den Weltfrieden ausgeht als vom Iran.“ 72 % der Befragten unterstützen gar den Widerstand von SPD-Chef Kurt Beck gegen das geplante US-Raketenabwehrsystem. Doch geht die Kritik an den USA quer durch alle Parteien – einzig die Anhänger der Union halten Teheran mehrheitlich für bedrohlicher als Washington. Und nu? Wo ist die „deutsche Grundverlogenheit“?

Malzahn, welcher das seit einiger Zeit in der öffentlichen Diskussion präsente Raketen-abwehrsystem in seinem bissigen Kommentar völlig außen vor lässt („Laut Forsa sind 54 Prozent der Deutschen der Ansicht, dass eine Stationierung der Raketenabwehrsysteme den Frieden in Europa bedrohen würde.“)  , verortet die „deutsche Grundverlogenheit“ u. a. in der Kritik an der US-amerikanischen Politik und der gleichzeitigen Beliebtheit der Vereinigten Staaten als Urlaubsziel sowie den immer wieder hohe Einschaltquoten bringenden Hollywood-Produktionen im deutschen Fernsehen. Er kommt zu dem Schluss:  

„Es vergeht kein Tag in Deutschland, an dem über die USA nicht die wildesten Behauptungen, die übelsten Schmähungen, die wahnsinnigsten Verschwörungstheorien verbreitet werden […]“

Noch vor der hoffentlich beabsichtigten Überspitzung dieser Formulierung kommt Malzahn somit zu der Aussage: „Antiamerikanismus ist prima bigott“. Dazu gibt es – aus der Perspektive eines jungen Deutschen mit einschlägiger (über den Urlaub weit hinausgehender) USA-Erfahrung – Folgendes zu sagen: Zwischen Fiktion und Realität ist zu unterscheiden; Verallgemeinerungen sind nicht zulässig. 

Ein deutscher Zuschauer der US-amerikanischen Produktion 24  rezipiert eine spannend inszenierte Darstellung, die im Umfeld eines fiktiven amerikanischen Anti-Terror-Geheimdienstes spielt. Es ist das gute Recht eines jeden Rezipienten, die fiktiven Handlungen des Helden Jack Bauer, welcher der Spannung der Inszenierung dienen, gutzuheißen. Daraus abzuleiten es sei bigott, sich einen Tag später über die realen Verhältnisse im US-Militärstützpunkt Guantanamo Bay zu beklagen, zeugt von einer Differenzierungsunwilligkeit an welcher auch die Debatte über die Auswirkungen von Ego-Shootern auf die Realität leidet. 

Der Kommentar von Malzahn leidet ebenfalls. Er leidet an Verallgemeinerung. Der einmaligen Nennung der Ergebnisse der FORSA Umfrage folgt eine Tirade von Aussagen „des Deutschen“, welche zum Teil selbst in einer sarkastischen Rede fehl am Platze sind: Wem versucht der Autor hier die Aussage unterzuschieben, der Nationalsozialismzs sei nur ein Betriebsunfall gewesen? Das manche Spiegel-Leser der Meinung sind, Bush sei „schlimmer als Hitler“ ist wohl kaum als repräsentativ anzusehen.

Sarkasmus, Verallgemeinerungen, bissige Kommentare – all dies eignet sich weder als Reaktion auf noch zur Verarbeitung der durchaus beunruhigenden Ergebnisse einer aktuellen Studie. „Deutsche Grundverlogenheit“ lässt sich evtl. aus den Spitzen Malzahns rekonstruieren, geht aber an der Wirklichkeit weit vorbei. Die „offizielle deutsche Politik“ schlicht als Hauptursache für den Antiamerikanismus anzusehen, dabei elegant zu verschweigen, dass selbst Jeffrey Gedmin die desaströse Selbstdarstellung der Bush-Regierung in Europa kritisiert, somit statt einer differenzierten Betrachtung (dessen Fehlen er bei den Befragten der FORSA Studie offensichtlich vermisst) selbst nur monokausale Begründungen für die Ergebnisse der Studie zu liefern, um daraus die (wohl sarkastisch gemeinte) Forderung nach einer erneuten re-education abzuleiten ist eine schwache Leistung. 

Fazit: Löschenswert.    

   

 

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Nachruf äääh Nachtrag Latex-Pauli

Als hätte ich es geahnt… meine gestrigen Aussagen zur Konkurrenz-situation Park Avenue/Vanity Fair und zu den Folgen der Fotostrecke für Gabriele Pauli werden heute in einem kurzen Artikel auf Seite 38 der FAZ bestätigt. Michael Hanfeld schreibt unter dem Titel Teufelsweib. Gabriele Pauli begräbt ihre Karriere in der „Park Avenue“ u. a. Folgendes:

Wer hätte gedacht, dass die Prominenten-Illustrierte „Park Avenue“ irgendwann doch einmal einen Scoop landet? Zu früh gestartet, weil man der Konkurrenz der deutschen „Vanity Fair“ zuvorkommen wollte, weit hinter den Auflagenerwartungen zurückbleibend […]“ (FAZ, 29.3.2007, S. 38).

Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Ein Schelm, wer denkt Park Avenue wäre sich über die Folgen seiner Aktion nicht mehr als bewusst gewesen. Klar waren sie es, die Folgen waren ja erwünscht. Nachträgliches Rumgeheule durch Pauli, man hätte die „provokante Aufmachung“ mit ihr absprechen müssen, ist da nur peinlich. Es wird sie ja keiner gezwungen haben, die Latex-Handschuhe anzuziehen. Und was gestern noch vollkommen in Ordnung war, ist heute ein Problem:

„Text und Bilder erweckten „bei vielen Betrachtern eine Assoziation, die ich nicht hinnehmen kann.“ (Pauli, zitiert nach ebd.)

Frau Pauli, entschuldigen sie bitte, aber mit dieser Aussage machen sie sich lächerlich. Nun mussten sie also schmerzhafterweise erfahren, dass die gestrigen „eigenen Denkmuster und Erfahrungswelten“ doch nicht so eigen, sondern eher kollektiv sind. Das von Hanfeld konstatierte „öffentliche Begräbnis erster Klasse“ wird durch ihr Verhalten glatt zu einem Staatsbegräbnis. Politiker, die Show über Aussage stellen, brauchen wir nicht. Politiker, die zu nicht zu ihrem eigenen Wort stehen, erst recht nicht. Deswegen muss

„Man […] kein Mitglied des Parteivorstandes der CSU sein, um zu ahnen, was diese Geschichte, was diese Kostümierung im miefigen Retro-Schick der Siebziger, was diese Metamorphose bewirken wird. Sie bestätigt alle jene, denen das Aufbegehren dieser Politikerin gegen den Landesvater Edmund Stoiber von Beginn an suspekt war.“ (Ebd.)

Und deswegen müssen wir auch spätestens jetzt nicht mehr bedauern, dass aus einer hoffnungsvollen Rebellin, ein hoffnungsloses Sternchen geworden ist:

„Gabriele Paulis Ausflug auf den Boulevard dürfte einer ohne Rückfahrkarte ein, verbindet er sich doch nicht mit einer einzigen konkreten politischen Aussage.“ (Ebd.)

Zurück in die Politik? Der Zug ist abgefahren. Fragt sich nur, wohin der Andere führen fahren wird.

P.S.: Der Artikel findet sich auch online auf faz.net .

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Latex-Pauli? Dekonstruktion einer Politikerin, Konstruktion eines Mediensternchens

Gabriele Pauli, ihreszeichens Diplom-Kauffrau, versteht etwas von PR. Möchte man meinen, hat sie doch vor knapp 20 Jahren über Polit-Pr. Öffentlichkeitsarbeit politischer Parteien am Beispiel der CSU zum Dr. rer. pol. promoviert. Und nun dies: Pauli lässt sich von dem selbsternannten „Personality Magazin“ Park Avenue in eindeutig provokanten, für eine Politikerin deutlich ungewöhnlichen Posen ablichten. Billig? Die Märzausgabe des Magazins wurde in Konkurrenz zur neuen deutschen Vanity Fair für (einmalig) 1 Euro verramscht, die April Ausgabe präsentiert uns nun die (Zitat Spiegel) „Latex-Landrätin“. Da fragt man sich ja nun fast, wer da wen ausnutzt und wem die ganze Aktion eigentlich nutzen soll. Der Auflage der Zeitung? Dem Ansehen der Landrätin? Ebenfalls könnte man fragen ob das Magazin mit solchen Aktionen seinem Anspruch gerecht wird: Ob es sich bei den Fotos um „spannende Gesellschaftsberichterstattung“ handelt, bleibe dahingestellt – der April Auflage wird die Fotostrecke sicherlich nicht schaden.  Das stern.de die Fotos vorab veröffentlicht, sollte in Anbetracht der Personalunion (Stern Chefredakteur Andreas Petzold zeichnet sich ebenfalls für den redaktionellen Part von Park Avenue verantwortlich) nicht wirklich verwundern. Doch wo liegt die Motivation der Politikerin Gabriele Pauli? Eitelkeit? Reine Provokation? „Es ist nicht verkehrt, wenn der Träger einer Botschaft Aufmerksamkeit auf sich lenkt“ verrät sie im Gespräch mit Steffi Kammerer von Park Avenue und hat damit natürlich recht. Dumm ist nur, wenn die Aufmerksamkeit die Botschaft überdeckt; wenn die Botschaft auf Rebellion und Provokation reduziert ist. Was sagt eine Politikerin in eingeölten Latexhandschuhen, roter Perücke und ohne Höschen aus? „Ich will große Politik steuern“? „Ich will mehr Verantwortung für mehr Menschen übernehmen“? Es ist schlicht und einfach nicht vorstellbar, dass sich Gabriele Pauli, seit 30 Jahren in der CSU aktiv, über die Folgen solcher Fotos nicht im Klaren war. „Wenn sich jemand bei den Handschuhen Gedanken macht, dann spiegelt das die eigenen Denkmuster und Erfahrungswelten wider“, lässt Pauli auf stern.de verkünden und hat damit erneut recht. Das „Denkmuster und Erfahrungswelten“ bei Latexhandschuhen und rothaariger Perücke plus Politikerin Alarm schlagen, muss aber auch Pauli klar gewesen sein. Da hilfts auch nicht, dass die Gage in Höhe von 1000 Euro karitativen Zwecken zugute kommt. Statt einem schicken Büro in der bayerischen Landeshauptstadt vielleicht doch eher die freie Wirtschaft?  „Zuletzt überwog bei der Gabi die Show“ konstatiert auch Nürnbergs dritter Bürgermeister Klemens Gsell, der ihr noch zu Beginn der Stoiber Krise als erster öffentlich zur Seite sprang. Wir schlagen ein längerfristiges Engagement in der Unterhaltungsindustrie vor. Denn schön ist sie ja, die Landrätin.  

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