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blog action day – Interview mit Michael Hopf – Pressesprecher Greenpeace Deutschland

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In der sidebar hatte ich es schon vor einer Weile angekündigt: Auch ich will meinen Beitrag zum heutigen blog action day leisten. Dieses Jahr lautet das Thema: Umwelt. Das Thema dieses Blogs sind die PR. Beides verbunden ergibt das folgende E-Mail-Interview mit dem Pressesprecher Greenpeace Deutschland Michael Hopf. Da das Ganze zeitlich ein wenig knapp geworden ist, konnte ich nicht mehr rechtzeitig nachhaken – damit ist das „Gespräch“ natürlich ein bisschen statisch. Viel Interessantes erfährt man trotzdem. Viel Spaß beim Lesen!

Bastian: Wie bist Du zu Greenpeace Deutschland gekommen? Dein beruflicher Hintergrund lag ja ursprünglich im filmischen/journalistischen Bereich?

Michael: Ich habe Greenpeace schon seit den Anfängen in Deutschland für sehr wichtig gehalten und mich 1995 auf die Stelle eines Wald-Kampaigners beworben. Das hat nicht geklappt. Aber da Greenpeace für die Öffentlichkeitsarbeit immer Leute mit journalistischer Erfahrung sucht und ich schon bei Hörfunk, Film und Fernsehen gearbeitet hatte, wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als Pressesprecher zu arbeiten. Natürlich konnte ich das, die Bewerbungsgespräche liefen auch gut und so bin ich nun seit 1996 in Hamburg und habe bei allen Greenpeace-Kampagnen mitgemacht.

Bastian: Was unterscheidet Deiner Meinung/Erfahrung nach, die PR für eine Umweltschutzorganisation von der PR für ein kommerziell orientiertes Unternehmen?

Michael: Ich kann nur über den Unterschied zu unserer Arbeit sprechen. Wir machen keine PR in dem Sinne, das wir etwas verkaufen oder eine Firma gut darstellen müssen. Wir machen politische Öffentlichkeitsarbeit. Unsere Aufgabe ist es, Probleme auf die Tagesordnung zu setzen, Klimawandel, Gentechnik, Überfischung, Urwaldzerstörung. Wir nennen Verantwortliche, tragen Konflikte aus und zeigen Lösungen. Wir versuchen, immer neue Aspekte dieser Probleme in Worten und Bildern bekannt zu machen und haben damit einen sehr journalistischen Fokus. Das ist ziemlich weit weg von dem, was man üblicherweise unter PR versteht.

Bastian:  Wie „funktioniert“ PR bei Greenpeace Deutschland? Wer macht was? 

Michael: Das kann ich bei fast 30 Kolleginnen und Kollegen nur grob schildern. Wir arbeiten neuerdings in zwei Abteilungen: Presse/New Media/PR und Imagekommunikation. Die Pressestelle und weitere Kollegen beraten die Kampagnen, wie sie ihr Anliegen am besten öffentlich darstellen. Für die Umsetzung müssen sich dann Foto- und Videoproduktion, Internet-Redaktion und die weitere Medienproduktion gut abstimmen. Da die Planung auch immer durch aktuelle Ereignisse durcheinander gebracht wird, auf die wir reagieren müssen, arbeiten wir also nie in Ruhe einen Plan ab, sondern müssen uns ständig neu sortieren und uns auf neue Bedingungen einstellen. Langweilig wird es nie.

Bastian:  Arbeitet Greenpeace Deutschland mit externen Agenturen zusammen?

Michael: Wir arbeiten in Deutschland und wohl in fast allen Ländern auch mit externen Agenturen zusammen. Da unsere Kernaufgabe ist, das inhaltliche Fundament für Kampagnen zu legen, ziehen wir für Fragen zur Umsetzung und Visualisierung oft Agenturen heran.

Bastian:  Inwieweit ist Greenpeace Deutschland in der PR abhängig von Greenpeace International?

Michael: Unsere Öffentlichkeitsarbeit ist nicht abhängig von Greenpeace international. Wir sind aber auf die Zentrale in Amsterdam insofern angewiesen, dass sie uns darüber informiert, was die Amsterdamer oder die Greenpeace-Büros in aller Welt machen oder vorhaben dann kommt zuvor die Mail mit dem Betreff  Heads up  – , wir informieren umgekehrt über unsere Pläne. Die Zusammenarbeit wird immer enger. Derzeit arbeiten wir an einem gemeinsamen CD. Außerdem müssen wir Lösungen finden für gemeinsam genutzte digitale Datenbanken für Fotos und Videos.

Bastian: Greenpeace fällt in Deutschland wie auch international immer wieder durch spektakuläre und medienwirksame Aktionen auf. Liegt der Schwerpunkt solcher Aktionen auf einem danach  hoffentlich erhöhten Spendenaufkommen? Oder geht es um Bewußtseinschaffung?

Michael: Es geht darum, sich dort direkt einzusetzen, mit dem eigenen Körper, wo etwas Falsches passiert. Das ist der Ursprung der Greenpeace-Aktion, das Prinzip des  bearing witness , das in etwa bedeutet  Zeugnis ablegen: beim japanischen Walfang im Südpolarmeer, bei den Waldbränden auf Sumatra, auf den Baustellen von Kohlekraftwerken in Deutschland. Natürlich soll die Aktion wesentlich dabei helfen, einen Konflikt sichtbar zu machen, den Gegner unter Druck zu setzen, ihn ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren, einen Missstand zu beseitigen. Und Bewusstsein soll die Aktion auch schaffen.
Spenden sind für uns sehr wichtig, wir nehmen ja kein Geld von der Wirtschaft oder der Politik. Aber Aktionen spielen dabei wohl nicht die Rolle, die manche Kritiker gerne unterstellen. Nach Aktionen gibt es kein erhöhtes Spendenaufkommen.

Bastian: Wie ist die Langzeitwirkung solcher Aktionen?

Michael: Einzelne Aktionen können in der Regel gar nicht so viel bewegen. Aktionen sind Teil von Kampagnen, die mehrere Monate dauern und idealerweise dafür sorgen, dass sich ein Thema in der Öffentlichkeit durchsetzt. Zurzeit ist es nicht nötig, mit dem Thema  Klimawandel  durchzudringen. Aber wir wollen das Problem bekannt machen, dass in Deutschland Kohlekraftwerke geplant und gebaut werden, die so viel Kohlendioxid ausstoßen werden, dass die deutschen Ziele zum Klimaschutz gar nicht erreicht werden können. Diese Kampagne soll langfristig wirken und dafür sorgen, dass diese Pläne auf Eis gelegt werden.
Die Kampagne gegen die Versenkung der Brent Spar war eigentlich eine sehr lange Aktion und hatte Langzeitwirkung. Erst einige Jahre, nachdem wir die Versenkung der Ölplattform im Nordostatlantik verhindert hatten, kam das endgültige Aus für Versenkungspläne für etwa 400 weitere Öl- und Gasinstallationen aus der Nordsee.
Abgesehen davon gibt es zweifellos Bilder und Filme von Greenpeace-Aktionen, die lange im Gedächtnis bleiben. Dazu zählen wohl immer noch die Bilder von der Auseinandersetzung um die Brent Spar, die Aufnahmen gegen den Walfang. Auch in der Gentechnik-Kampagne ist es uns gelungen, Bilder zu schaffen, die immer wieder gedruckt werden.

Bastian: Wie sieht die Basispressearbeit für Greenpeace Deutschland aus?

Michael: Wir beraten, wie gesagt, die Kampagnen und mischen uns inhaltlich ein. Wir versuchen zu erkennen, wo die   wie wir es nennen –  strategische Information  liegt, die wir bekannt machen können und die die Kampagne voran treibt. Zu strategischer Information zählen z.B. Untersuchungen zur Belastung von Obst und Gemüse mit Pestiziden bei den Supermarktketten. Oder Recherchen darüber, dass mit Soja, die im Amazonas auf zerstörten Urwaldflächen angebaut wird, in Deutschland Rinder, Schweine und Hühner gefüttert werden, bevor sie als Fleischklops enden. Auf diese Recherche hat McDonalds ganz schnell reagiert. Bei der IAA konnten wir sehr schön vorführen, dass das PR-Gewitter der Autoindustrie über ihre neue grüne Wende eben nur PR war. Auch in der aktuellen Auseinandersetzung um die künftige Energiepolitik setze ich auf Fehltritte der Konzerne, die grün tun, aber eigentlich alles beim Alten lassen wollen, nämlich bei Kohle und Atom.
Für die Umsetzung nutzen wir die klassischen Mittel: Presserklärungen, sofern es etwas Neues und Interessantes zu sagen gibt, Kommentare, Pressekonferenzen und -gespräche, exklusive Geschichten, Kooperationen. Wir bieten fast imer aktuelle Fotos oder Hintergrundbilder zu unseren Themen, für die TV-Sender meist auch entsprechendes Fernsehmaterial. Wir erhalten sehr viele Anrufe von Redaktionen, die wissen, dass es bei uns viele Sachinformationen, aber auch gute Geschichten zu holen gibt. Vor den Kameras und Mikrofonen sind meist unsere Kampaignerinnen und Kampaigner zu sehen und zu hören. Sie sind nicht nur Experten auf ihren Gebieten, sondern ganz wesentlich auch Kommunikatoren.

Bastian: Wie geht Greenpeace mit dem Wandel der bisherigen Kommunikationsstrukturen um? Plant Greenpeace Deutschland in Zukunft eine verstärkte Nutzung der Web 2.0 Strukturen um in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für seine Ziele zu schärfen?

Michael: Ja, wir wollen web 2.0 verstärkt nutzen. Zur Zeit klären wir, was für uns am sinnvollsten ist. Es hilft uns schon sehr, dass viele unserer 560.000 Förderer und unserer ehrenamtlichen Unterstützer bereits aktiv sind. Bei aller Begeisterung für die neuen Möglichkeiten ist uns aber klar, dass wir keine zusätzlichen Leute für diese Aufgaben haben werden. Wir müssen also entscheiden, was wir mit welchem Einsatz fahren wollen und was wir bleiben lassen.

Bastian: Wer kümmert sich um die Entwicklung der kreativen Nutzung der Web 2.0 Angebote für Greenpeace Deutschland?

Michael: Kümmern werden sich darum sehr viele von uns, denn wir werden unsere Art zu kommunizieren erheblich ändern müssen. Wer sich um welche Form der web 2.0-Nutzung kümmern wird, ist noch nicht klar. Jedenfalls stehen wir auch in engem Kontakt mit den hochaktiven Bloggern in Deutschland. Newthinking communications arbeitet an einem Social network für unsere Ehrenamtlichen, für uns der erste große Schritt ins web 2.0.

Bastian: Ein englischsprachiges Greenpeace-Blog gibt es ja bereits, ein deutsches scheint es bisher nicht zu geben. Ist ein solches bereits in Planung? Wie sieht es aus mit der Nutzung von Social Networks wie Facebook, MySpace, StudiVZ und Co? (Auf Facebook gibt es jede Menge Greenpeace Gruppen, aber keine aus Deutschland?) Von Microblogging Devices wie twitter.com ?

Michael: Wie gesagt, ob und wann wird gerade geklärt.

Vielen Dank für das Interview!

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