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kurz notiert…

Bush unter den „dümmsten Prominenten des Landes“ 

Die US-Bürger haben gewählt: Nein, nicht einen neuen Präsidenten. Noch nicht. Dafür aber die „größten Idioten unter den Prominenten [ihres] Landes.“ Auch darüber berichtet Welt Online – neben unzähligen anderen Zeitungen, Zeitschriften, blogs etc. Eigentlich wäre eine solche Studie, in diesem Fall in Auftrag gegeben von dem Publizisten Jeff Barge, nicht sonderlich erwähnenswert. Auf Platz 4 der Studie, für die zum achten Mal 1000 US-Bürger befragt wurden, findet sich jedoch George W. Bush. Seid wann ist der Blinde unter den Einäugigen König?

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Museum Plagiarius – Was steckt hinter der „Piraterie zum Anfassen“?

Wer hat es nicht schon einmal getan: Auf der Pauschalreise das äußerst günstige Nike Shirt, die extrem billigen adidas Sneaker oder die ebenfalls unschlagbar tief unter dem deutschen Ladenpreis angebotene PRADA Tasche erworben. Bei den Preisen, da kann man doch nicht widerstehen!

„Kann man nicht nur, muss mann“ würde Rido Busse sagen, Geschäftsführer und Inhaber der busse design ulm gmbh. Denn hinter radikalen Preisnachlässen stecken nicht selten Produkt – Plagiate bzw. Fälschungen. Während Erstere sich in Design und Funktion deutlich am Original orientieren und damit trotz der Verwendung eines geringfügig geänderten Markennamens eingetragene Schutzrechte der rechtmäßigen Hersteller verletzen, nutzen Fälschungen (illegal) mindestens Verpackung und Namen des Markenherstellers; sklavische Fälschungen reichen gar in der Qualität der Inhaltsstoffe oder der verarbeiteten Materialien, schließlich in der Qualität der Verarbeitung selbst, an das Original heran. Busse durfte dies bereits 1977 schmerzhaft am eigenen Leib erfahren:

“ 1977 entdeckte Rido Busse auf der Frühjahrsmesse in Frankfurt auf dem Stand eines Herstellers aus Hong Kong ein offensichtlich exaktes Plagiat der Brief- und Diätwaage Nr. 8600 der Firma Soehnle-Waagen aus Murrhardt. Das Original war von der busse design ulm gmbh komplett entwickelt und 1965 von Soehnle auf den Markt gebracht worden. Verkaufspreis im Laden: DM 26,00. Der chinesische Hersteller aus Hong Kong bot das Plagiat im Dutzend billiger an: Sechs Stück für DM 24,00, d.h. Ladenpreis unter DM 10,00.“

In Reaktion auf diesen Vorfall und aufgrund der Schwierigkeiten, welche ein juristisches Vorgehen gegen die Plagiatoren mit sich brachte, rief Busse noch im selben Jahr den Plagiarius ins Leben, eine Negativauszeichnung in Gestalt eines „handelsüblichen Gartenzwerges Nr. 917 der Firma Heissner, den er schwarz lackierte und mit einer goldenen Nase versah“. Seitdem jährlich verliehen, weist die „Auszeichnung“ darauf hin, wer sich mit besonders dreistem Ideenklau eben “ eine goldene Nase verdient“ – immer mit dem Ziel vor Augen die Öffentlichkeit  „bzgl. des Problems der Produkt- und Markenpiraterie“ aufzuklären und zu sensibilisieren.

In der „Klingenstadt“ Solingen steht dafür seit Neuestem das Museum Plagiarius zur Verfügung. Getragen von der Stadt Solingen und dem Industrieverband Schneid- und Haushaltswaren, findet sich in der Güterabfertigung des ehemaligen Hauptbahnhofs seit dem 1. April 2007 die von der Aktion Plagiarius e.V. – dem Trägerverein der „Auszeichnung“ – seit ihrem Bestehen zusammengetragene, weltweit einzigartige Sammlung von mehr als 250 Originalen und Plagiaten. Gezeigt werden u. a. Haushaltsartikel, Leuchten, Möbel und Kinderspielzeug aber auch technisch komplexe mechanische und elektronische Geräte und Maschinen – immer im direkten Vergleich Plagiat – Original. Damit wird deutlich: Nicht nur Luxusartikel, sondern Produkte aller Branchen sind mittlerweile vom Problem der Produkt- und Markenpiraterie betroffen.

Muss uns das interessieren? Das Markenshirt für 3,50 Euro wird ja schon eine Weile halten, die „PRADA Tasche“ zumindest solange, dass jeder sieht: „Ich habe eine!“. Bei weniger genauem Hinsehen ist der Nachbar auch von meinem Game boy Plagiat beeindruckt – und ich habe bares Geld gespart. Ist ja eh knapp – Geiz ist geil.

Mag diese Argumentation aus der Sicht eines jeden Einzelnen erst einmal durchaus fassen, sie greift zu kurz: Spätestens bei der Kettensäge namens Swool aber à la Stihl , aber auch bei gefälschten Reifen oder Bremsscheiben, vom Original auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden, kann es gefährlich werden: „Minderwertige Produktqualität und nicht erfüllte Sicherheitsstandards können […] Gesundheit und […] Leben der Konsumenten gefährden.“ Und selbst wenn der einzelne Konsument nicht leidet: Die negativen (volks-)wirtschaftlichen Auswirkungen sind immens: Christa Toben, Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen bezifferte in ihrer Rede, gehalten anlässlich der Eröffnung des Museums Plagiarius, die Zahl der allein in Deutschland durch Fälschung jährlich vernichteten Arbeitsplätze auf „rund 50.000“; nach Schätzungen der OECD haben Plagiate einen Anteil von 5 bis 9 Prozent am Welthandel. Produkt- und Markenpiraterie  stellt sich damit – insbesondere für die höher entwickelten Volkswirtschaften – mittlerweile als eine ernste wirtschaftliche Bedrohung dar. Das einzelne Unternehmen leidet ebenfalls:

„Für die betroffenen Unternehmen bedeutet die Produktpiraterie nicht nur die Entwertung ihrer kostenintensiven Entwicklungsarbeit und den Verlust von Marktanteilen, sondern auch die Entwertung des Originals. Und was mitunter schlimmer wiegt, die Gefährdung des guten Firmennamens.“

Und auch langfristige Folgen sind zu erwarten: Die Innovationstätigkeit des einzelnen Unternehmens wird gebremst, neue Entwicklungen sind nicht mehr lohnenswert bzw. finanzierbar und bleiben somit aus.

Das Problem ist dabei jedoch nicht selten „hausgemacht“: Denn auch wenn der weit überwiegende Teil der Produzenten von Plagiaten und Fälschungen nach Informationen des Bundesministeriums der Finanzen in China ansässig ist, sitzen die Auftraggeber vielfach hier in Europa, ganz zu schweigen von den Konsumenten, welche letztlich darüber entscheiden, ob die Plagiate eine Chance haben oder nicht. 

Handeln muss also die Gesetzgebung, handeln kann aber auch jeder einzelne: Ein Besuch des Museums Plagiarius kann dabei ein Anfang sein.  

Siehe dazu ebenfalls: Mehr Drogen, mehr Plagiate, mehr Schwarzarbeit auf SpiegelOnline

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