Nachruf äääh Nachtrag Latex-Pauli

Als hätte ich es geahnt… meine gestrigen Aussagen zur Konkurrenz-situation Park Avenue/Vanity Fair und zu den Folgen der Fotostrecke für Gabriele Pauli werden heute in einem kurzen Artikel auf Seite 38 der FAZ bestätigt. Michael Hanfeld schreibt unter dem Titel Teufelsweib. Gabriele Pauli begräbt ihre Karriere in der „Park Avenue“ u. a. Folgendes:

Wer hätte gedacht, dass die Prominenten-Illustrierte „Park Avenue“ irgendwann doch einmal einen Scoop landet? Zu früh gestartet, weil man der Konkurrenz der deutschen „Vanity Fair“ zuvorkommen wollte, weit hinter den Auflagenerwartungen zurückbleibend […]“ (FAZ, 29.3.2007, S. 38).

Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Ein Schelm, wer denkt Park Avenue wäre sich über die Folgen seiner Aktion nicht mehr als bewusst gewesen. Klar waren sie es, die Folgen waren ja erwünscht. Nachträgliches Rumgeheule durch Pauli, man hätte die „provokante Aufmachung“ mit ihr absprechen müssen, ist da nur peinlich. Es wird sie ja keiner gezwungen haben, die Latex-Handschuhe anzuziehen. Und was gestern noch vollkommen in Ordnung war, ist heute ein Problem:

„Text und Bilder erweckten „bei vielen Betrachtern eine Assoziation, die ich nicht hinnehmen kann.“ (Pauli, zitiert nach ebd.)

Frau Pauli, entschuldigen sie bitte, aber mit dieser Aussage machen sie sich lächerlich. Nun mussten sie also schmerzhafterweise erfahren, dass die gestrigen „eigenen Denkmuster und Erfahrungswelten“ doch nicht so eigen, sondern eher kollektiv sind. Das von Hanfeld konstatierte „öffentliche Begräbnis erster Klasse“ wird durch ihr Verhalten glatt zu einem Staatsbegräbnis. Politiker, die Show über Aussage stellen, brauchen wir nicht. Politiker, die zu nicht zu ihrem eigenen Wort stehen, erst recht nicht. Deswegen muss

„Man […] kein Mitglied des Parteivorstandes der CSU sein, um zu ahnen, was diese Geschichte, was diese Kostümierung im miefigen Retro-Schick der Siebziger, was diese Metamorphose bewirken wird. Sie bestätigt alle jene, denen das Aufbegehren dieser Politikerin gegen den Landesvater Edmund Stoiber von Beginn an suspekt war.“ (Ebd.)

Und deswegen müssen wir auch spätestens jetzt nicht mehr bedauern, dass aus einer hoffnungsvollen Rebellin, ein hoffnungsloses Sternchen geworden ist:

„Gabriele Paulis Ausflug auf den Boulevard dürfte einer ohne Rückfahrkarte ein, verbindet er sich doch nicht mit einer einzigen konkreten politischen Aussage.“ (Ebd.)

Zurück in die Politik? Der Zug ist abgefahren. Fragt sich nur, wohin der Andere führen fahren wird.

P.S.: Der Artikel findet sich auch online auf faz.net .

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