Latex-Pauli? Dekonstruktion einer Politikerin, Konstruktion eines Mediensternchens

Gabriele Pauli, ihreszeichens Diplom-Kauffrau, versteht etwas von PR. Möchte man meinen, hat sie doch vor knapp 20 Jahren über Polit-Pr. Öffentlichkeitsarbeit politischer Parteien am Beispiel der CSU zum Dr. rer. pol. promoviert. Und nun dies: Pauli lässt sich von dem selbsternannten „Personality Magazin“ Park Avenue in eindeutig provokanten, für eine Politikerin deutlich ungewöhnlichen Posen ablichten. Billig? Die Märzausgabe des Magazins wurde in Konkurrenz zur neuen deutschen Vanity Fair für (einmalig) 1 Euro verramscht, die April Ausgabe präsentiert uns nun die (Zitat Spiegel) „Latex-Landrätin“. Da fragt man sich ja nun fast, wer da wen ausnutzt und wem die ganze Aktion eigentlich nutzen soll. Der Auflage der Zeitung? Dem Ansehen der Landrätin? Ebenfalls könnte man fragen ob das Magazin mit solchen Aktionen seinem Anspruch gerecht wird: Ob es sich bei den Fotos um „spannende Gesellschaftsberichterstattung“ handelt, bleibe dahingestellt – der April Auflage wird die Fotostrecke sicherlich nicht schaden.  Das stern.de die Fotos vorab veröffentlicht, sollte in Anbetracht der Personalunion (Stern Chefredakteur Andreas Petzold zeichnet sich ebenfalls für den redaktionellen Part von Park Avenue verantwortlich) nicht wirklich verwundern. Doch wo liegt die Motivation der Politikerin Gabriele Pauli? Eitelkeit? Reine Provokation? „Es ist nicht verkehrt, wenn der Träger einer Botschaft Aufmerksamkeit auf sich lenkt“ verrät sie im Gespräch mit Steffi Kammerer von Park Avenue und hat damit natürlich recht. Dumm ist nur, wenn die Aufmerksamkeit die Botschaft überdeckt; wenn die Botschaft auf Rebellion und Provokation reduziert ist. Was sagt eine Politikerin in eingeölten Latexhandschuhen, roter Perücke und ohne Höschen aus? „Ich will große Politik steuern“? „Ich will mehr Verantwortung für mehr Menschen übernehmen“? Es ist schlicht und einfach nicht vorstellbar, dass sich Gabriele Pauli, seit 30 Jahren in der CSU aktiv, über die Folgen solcher Fotos nicht im Klaren war. „Wenn sich jemand bei den Handschuhen Gedanken macht, dann spiegelt das die eigenen Denkmuster und Erfahrungswelten wider“, lässt Pauli auf stern.de verkünden und hat damit erneut recht. Das „Denkmuster und Erfahrungswelten“ bei Latexhandschuhen und rothaariger Perücke plus Politikerin Alarm schlagen, muss aber auch Pauli klar gewesen sein. Da hilfts auch nicht, dass die Gage in Höhe von 1000 Euro karitativen Zwecken zugute kommt. Statt einem schicken Büro in der bayerischen Landeshauptstadt vielleicht doch eher die freie Wirtschaft?  „Zuletzt überwog bei der Gabi die Show“ konstatiert auch Nürnbergs dritter Bürgermeister Klemens Gsell, der ihr noch zu Beginn der Stoiber Krise als erster öffentlich zur Seite sprang. Wir schlagen ein längerfristiges Engagement in der Unterhaltungsindustrie vor. Denn schön ist sie ja, die Landrätin.  

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Eingeordnet unter Medien, Politik

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